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Haarseife oder festes Shampoo?

Unverpackte oder zumindest plastikfreie Kosmetik ist momentan ein Thema, das überall anzutreffen ist und heiß diskutiert wird. Ich begrüße diesen Trend sehr, und der Anteil der kritischen Konsumenten wird zum Glück immer größer.

Die Kunden beschäftigen sich nun nicht nur damit, wie ein Kosmetikprodukt hergestellt wird, sondern auch wie umweltverträglich es verpackt wird. Kosmetikverpackung aus Papier, Glas, abbaubarer Biokunststoff gehören mittlerweile bei Naturkosmetik schon zum guten Ton. Ware die wenig- bzw unverpackt erhältlich ist, findet große Nachfrage. Nicht nur Reis, Bohnen und Mehl findet man ohne Verpackung, auch Seifen, Körperpflege und Shampoo gibt es aktuell immer häufiger in Stückform.

Warum als Stück?

Weil man dann keine Flaschen benötigt. Egal, ob die Flasche aus Glas oder Kunststoff hergestellt wird, im Endeffekt hat man nach dem Verbrauch des Produktes immer ein Leergebinde. Im Idealfall wird es weiterverwendet, aber auch Recycling ist ein Thema. Schade ist, wenn es einfach weggeworfen wird und somit nur eine kurze Lebensdauer hatte. Dafür benötigt es immensen Aufwand, den produzierten Müll zu bearbeiten.

Die Lösung des ganzen Problems ist Kosmetik, die keine oder wenig Verpackung braucht. Z.B. das Thema Haarpflege ist momentan ein haariges 😉

Es gibt zwei verschiedene Sorten der nahezu verpackungsfreien Haarpflege. Haarseife oder festes Shampoo. Welches man verwendet ist Geschmacksache. Wo ist denn aber jetzt der Unterschied zwischen den beiden? Die Konsumenten sind verunsichert. Deshalb möchte ich hier einen Überblick geben.

Festes Shampoo ist nicht nur gut für die Umwelt sondern auch gut fürs Haar

Haarseife

Haarseife ist in der Regel Naturseife aus kleinen Manufakturen (über industrielle Seife möchte ich hier ohnehin nicht sprechen). Seife wird aus Ölen hergestellt, die durch Lauge verseift werden. Dann kommen noch je nach Wunsch Zusätze hinzu. Farbe, Duft, aber auch Tonerden, Pflanzenpulver o.ä.
Wie bei allen Naturseifen ist sie etwas überfettet. Das bedeutet, es wird mehr Öl verwendet als die Lauge verseifen kann. Also enthält die fertige Seife auch einen Anteil an unverseiften Öl. Das sind meist so ab 5% aufwärts.

Eine Haarseife ist eine „ganz normale“ Naturseife. Sie enthält keine besonderen Inhaltsstoffe die sie nur für die Haarwäsche geeignet macht! Man kann jede Haarseife genauso zum Händewaschen oder zum Duschen verwenden. Es kommt allerdings ein wenig auf die verwendeten Inhaltsstoffe an, ob sich genau die gerade verwendete Seife für die eigenen Haare eignet, oder ob es vielleicht besser eine Haarseife mit anderen Ölen oder anderer Überfettung sein sollte. Das ist es, was das Ganze leider etwas kompliziert macht. Die einen mögen Kokosöl in der Haarseife, bei den anderen trocknet Kokosöl in der Haarseife die Haare aus und macht sie strohig. Die anderen wiederum lieben Olivenöl in der Haarseife, bei manchen geht Olivenöl aber gar nicht. Die einen lieben Haarseife mit hoher Überfettung (z.b. 15%), die anderen brauchen eine mit wenig Überfettung (z.B. 5%) usw….

Welche Öle, welche Überfettung und welche weiteren Zusätze (z.B. Tonerde, Kohle, Henna…) die eigenen Haare mögen, das ist ganz individuell und lässt sich leider nur herausfinden indem man ausprobiert. Die Wahrscheinlichkeit, sehr schnell die richtige Seife zu finden ist eher gering. Da muss man schon ein wenig Glück haben.

Ein weiterer Punkt bei Haarseife ist die saure Spülung (auch saure Rinse genannt), die besonders bei hartem Wasser notwendig ist! Das funktioniert so: Man wäscht sich die Haare mit Seife und spült dann sauer nach mit einem Liter Wasser in den man 1-2 EL Essig oder Zitronensaft gegeben hat. Das bewirkt zum Einen, dass sich die Schuppenschicht der Haare etwas schneller schließt und sie dadurch früher glatt und glänzend sind als ohne Spülung. Zum Anderen verhindert es die Bildung von Belag auf dem Haar (Kalkseife: Bei hartem Wasser reagiert der Kalk im Leitungswasser mit der Seife und hinterlässt Rückstände). Durch die Säure werden eventuelle Seifenreste weggespült. Das sollte bei mindestens jeder zweiten bis dritten Wäsche durchgeführt werden, es kommt natürlich auf den Härtegrad des Wassers an.

Das ist im Übrigen auch der Hauptgrund, warum ich mich persönlich GEGEN Haarseife entschieden habe und FÜR festes Shampoo. Ich habe nämlich sehr hartes Wasser und möchte mir ganz gerne die Rinse sparen. Auch bin ich eine, die sich nicht sehr lange in der Dusche aufhalten möchte. Nachdem ich ja meine eigene Kosmetiklinie produziere habe ich die Möglichkeit, meine Pflegeprodukte nach Wunsch und eigenen Vorstellungen zu entwickeln. Jeder hat halt so seine Prioritäten.

So und jetzt also zum festen Shampoo. Was ist denn nun ein festes Shampoo/Shampoobar/ Shampoostück/Solid Shampoo?

Festes Shampoo

Bei Seife entstehen die waschaktiven Substanzen durch Verseifung. Man gibt Öle und Lauge hinein und bekommt Seife heraus, vereinfacht gesagt. Bei festem Shampoo nimmt man bereits fertige, pulverförmige waschaktive Substanzen (Tenside) und vermischt sie mit anderen pulverförmigen Inhaltsstoffen, pflegenden Ölen und Pflanzenextrakten. Dieses Pulver wird dann in Formen gepresst.

Tenside? Bedeutet das, dass festes Shampoo aggressiv ist? Da kommt es natürlich – wie bei vielen Dingen- darauf an, welche Inhaltsstoffe man genau verwendet. Natürlich gibt es Firmen, die weniger hautfreundliche Tenside verwenden. z.B. SLS =Sodium Lauryl Sulfate (Achtung, nicht verwechseln mit dem viel milderen SLSA !!) Allen, die einen Überblick über die Inhaltsstoffe gewinnen wollen, kann ich die App CodeCheck oder die Kosmetikanalyse empfehlen.

So. Jetzt aber wieder zurück zu den Inhaltsstoffen die ICH verwende. Ich habe sehr milde Tenside gewählt, die sogar bei Babyprodukten eingesetzt werden. Sie sind für Naturkosmetik zugelassen und werden vorwiegend aus Kokos gewonnen. Außerdem habe ich mich für eine Auswahl an hochwertigen Bio-Ölen entschieden. Jede Shampoosorte enthält andere Öle und Pflanzenextrakte, je nachdem für welchen Haartyp es passen soll. Das Öl und die Extrakte bewirken, dass die Haare gepflegt sind und man sich die Pflegespülung (Conditioner) sparen kann. Den habe ich hier schon integriert. Toll oder?

Ein Stück festes Shampoo ist sehr ergiebig und entspricht dem Inhalt von ca 2 Flaschen Shampoo. Es ist also ein Konzentrat. Das große Stück reicht für 30-40 Haarwäschen, abhängig von Haarlänge und Dichte.

Man fährt damit ein paar Mal über den Haaransatz , das reicht. Man kann es noch ein wenig aufschäumen und verteilen und dann einfach ausspülen. Da meine Tenside mild sind, entstehen keine Schaumberge wie wir es gewohnt sind. Es gibt ganz sanften, cremigen Schaum. Aber es reicht um das Produkt gut zu verteilen, auch bei langen Haaren.

Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass ich mit dem festen Shampoo mindestens einen Tag länger warten kann ohne meine Haare waschen zu müssen. Früher hab ich sie jeden zweiten bis dritten Tag gewaschen, jetzt jeden vierten bis fünften. Übrigens – gönnt euren Haaren eine Übergangsfrist bevor ihr das Shampoo beurteilt. Besonders falls ihr vorher Silikonshampoo verwendet habt, dauert es eine Zeit bis sich das Haar wieder von der „Belagerung“ erholt hat.
Anfangs hat man das Gefühl, dass die Haare sich während der Wäsche nicht so glatt anfühlen wie mit konventionellem Shampoo. Das liegt daran, dass es natürlich keine Weichmacher oder Silikone enthält. Aber nach dem Trocknen sind die Haare so weich wie noch nie. Einfach ausprobieren!

Ich muss wirklich sagen, ich bin unglaublich begeistert von festem Shampoo. Noch nie waren meine Haare so weich und glänzend! Und da ich ja nebenberuflich auch sehr viel unterwegs bin ist es auch ganz toll für die Reisetasche, denn nichts läuft mehr aus. Und ich verwende es übrigens auch zum Duschen, statt des Duschgels. So brauche ich nur ein kleines Stück einpacken anstatt 3 verschiedener Flaschen. Zum Mitnehmen von Seifen und Shampoos verwende ich diesen kleinen Beutel aus Biobaumwolle. Dieser durfte gleich mal mit an den Strand. 🙂

Achtung, Schaumschlägerei!

Oder auch: warum Naturseife spürbar anders ist.

„Mmmh…die riecht aber gut. So eine hat meine Oma auch immer verwendet“ – das höre ich erstaunlich oft! Menschen durchforsten Märkte auf der Suche nach DER Seife mit dem Duft ihrer Kindheit.

Dieses kleine schäumende, duftende Stück Seife bringt Erinnerungen zurück. Ja- warum eigentlich? Könnte daran liegen, dass Stückseife in den letzten sagen wir 2 Jahrzehnten eher unaktuell war. Wir wollten es in letzter Zeit lieber schnell und praktisch und griffen zur Flüssigseife. Deshalb stand in den Bädern und Küchen meist ein kleiner Pumpspender. Warum ich hier die Vergangenheitsform anwende? Weil die Leute wieder zur Seife zurückkehren. Ein Seifenspender ist nichts, das in uns besonders romantische Gefühle weckt. Flüssigseife ist nichts „Handfestes“. Es ist ein Industrieprodukt in Plastikhülle. Aber wir wollen doch Romantik und Sentimentalität – ein kleines bisschen Kindheit! Und außerdem auch noch: ein kleines Stückchen Handwerkskunst.

Deshalb wenden wir uns der Vergangenheit zu. Vor nicht mal 60 Jahren gab es noch unzählige Seifensiedereien. Seifensieden ist ja ein jahrtausendealtes Wissen, und übrigens gibt es immer noch Menschen die sich daran erinnern können, wie ihre Großmütter Putzseife selbst hergestellt haben. Das ist noch nicht allzu lange her. Der Zeitgeist ändert sich und heute, nach ein paar Jahrzehnten „Industriefaszination“, weiß man es wieder zu schätzen, das Handwerk.

Besser als Flüssigseife ist das heiß gesiedete Seifenstück schon, aber bei weitem nicht so gut wie Naturseife. Heutzutage gibt es neben der industriell hergestellte Seife etwas noch besseres.

Seife ist ja auch nicht gleich Seife.

Bunte Seifen

Den Unterschied zu erkennen ist für den Laien oft nicht so einfach – deshalb hier ein kleiner Überblick dazu.

Was ist der Unterschied zwischen Fabrikseife und Naturseife?

Seife besteht in erster Linie aus Fett. Man kann pflanzliches Fett verwenden oder auch tierisches. Früher wurden ja von den Hausfrauen die hauseigenen Schlachtabfälle zu Putzseife ausgesalzen. Heutzutage werden in den Fabriken die vorwiegend pflanzlichen Öle in großen Kesseln für Stunden oder sogar Tage auf über 200 Grad erhitzt. Es wird Lauge dazugegeben, dadurch entsteht ein chemischer Prozess- die Verseifung. Die genaue chemische Erklärung möchte ich euch ersparen, nur kurz gesagt: die Bestandteile der Fette werden durch die Lauge zersetzt. Bei der Verseifung entstehen das Glycerin und die Salze der Fettsäuren – also ein gänzlich neues Produkt, die Seife.

Fabrikherstellung

Hier wird dann meist das hautpflegende Glycerin entfernt und für wertvollere Kosmetikprodukte verwendet. Der Seife wird Flüssigkeit entzogen und der festen Seifenmasse wird noch nachträglich Farbe und Parfum hinzugefügt. Danach wird sie in Formen gepresst. Das kann man bei den gekauften Stücken oft auch sehr gut erkennen.

Die Naturseife

unterscheidet sich zur Fabrikseife in erster Linie durch das wertvolle Glycerin. Denn es bleibt in der Seife erhalten! Das macht die handgerührte Seife wesentlich angenehmer zur Haut. Wenn ich Naturseife herstelle, dann entziehe ich weder das Glycerin noch das Wasser. Durch den höheren Wasseranteil ist sie aber weicher als Fabrikseife. Deshalb kann es schon sein, dass sie sich schneller auflöst, wenn sie im Wasser liegt. (Also immer gut trocknen lassen).

Bei der Arbeit

Ein weiterer Unterschied ist die Temperatur. Ich verwende hochwertige Bio-Öle und erhitze diese nicht. Durch die Verseifung entsteht zwar Hitze, aber bei weitem nicht so hoch wie in den Fabrikkesseln. Etwa 70 – 80 Grad. Deshalb nennt man die Seife „kalt gerührt“. Ich bin also eigentlich genau genommen gar keine Seifen“siederin“.

Dadurch kommen wir zum nächsten großen Unterschied – der Überfettung. Bei der Naturseife wird die verwendete Laugenmenge ganz genau berechnet. Dadurch kann ich vorhersagen, wieviel Prozent des Fettes durch wieviel Lauge verseift werden. Nun verwende ich aber absichtlich mehr Fett als die Lauge verseifen kann… und das ist dann der „überfettete“ Teil der Naturseife. Das Öl, das nicht verseift wurde, bleibt als Öl in der Seife bestehen. Meist sind es um die 10% – können aber auch wesentlich mehr sein. Dadurch – und durch das Glycerin- ist die Naturseife wesentlich pflegender zur Haut als eine Fabrikseife. Das macht die Naturseife aber auch weniger Haltbar. Seife ist grundsätzlich fast unendlich haltbar – nur der überfettete Teil, der kann natürlich schon zu ranzen beginnen.

Und zu guter Letzt die Reifezeit: Naturseife wird in kleineren Chargen gerührt und in Formen gegossen. Dort bleibt sie für etwa 1- 2 Tage. Dann werden die Blöcke geschnitten oder -bei plastischen Formen wie z.B. Herzen – aus der Form gedrückt. Und dann lagert sie mindestens 6 Wochen.  Der PH-Wert ändert sich noch etwas. Und es reduziert auf natürliche Weise den Wasseranteil, die Seife wird fester. Man kann bei längerer Lagerung feststellen, dass die Seifenstücke immer kleiner werden. Sie schrumpfen förmlich. Dadurch werden sie fester – und ergiebiger.

Deshalb: Naturseife 1. nach der Verwendung immer trocknen lassen, 2. nicht zu warm aber trocken lagern, 3. Nie luftdicht verschließen.

Ja und wenn man diese Punkte beachtet und Naturseife verwendet, dann wird man bald sehen, dass es der Haut besser geht. Man braucht auch weniger zu cremen. Auch Neurodermitispatienten wird oft zu Naturseife geraten. Durch ihren basischen PH-Wert soll sie der Haut bei der Selbstregeneration helfen. Ich habe dazu schon einige Erfahrungsberichte erhalten und mir persönlich hat die Gesichtsseife bei meiner Perioralen Dermatitis sehr geholfen.

Ach und übrigens geht es dann nicht nur der Haut besser, sondern auch der Umwelt. Seife ist nämlich biologisch abbaubar und kommt ohne Plastikverpackung aus. Flüssigseife hingegen sind von den Kosmetikriesen gehypte, oft agressive Tensidmischungen, die auch keine Rücksicht auf die Umwelt nehmen.

Wo bekomme ich denn nun diese tolle Naturseife?

Bei kleinen Manufakturen! Meist sind diese auch auf Märkten anzutreffen. Ich habe noch nie echte Naturseife in Drogeriemärkten, Ketten oder großen Kaufhäusern gesehen. Und nein, auch Bio Seifen aus Biomärkten sind meist ganz konventionelle Fabrikseifen. Nur halt aus Bio-Ölen. Es stimmt schon, Naturseife kostet mehr als Fabrikseife. Das ist ganz logisch. Man kann kein Handwerksprodukt zum selben Preis wie Fabrikprodukten bekommen. Aber dafür kommt man sehr lange damit aus, man tut sich selbst etwas gutes, der Umwelt – und natürlich auch der kleinen Manufaktur.

(Noch ein Plädoyer zum Schluss: Bitte kauft bei gewerblichen Siedern. Nicht bei „Tante Mitzi“ die aus Spaß in ihrer eigenen Küche rührt und die Sachen am Wochenende dann verkauft.
Die Kosmetikherstellung ist ein sehr streng reglementiertes und hartes Gewerbe – besonders für Kleinsthersteller. Bitte unterstützt diese, indem ihr auf den Märkten nach einem Gewerbeschein fragt.)

Seifen mit bunten Banderolen

 

Flüssiges Gold

Flüssiges Gold

Pflanzen enthalten das Wertvollste der Natur. Man könnte sagen, die „fetten Öle“ sind das Herz der Pflanze, und die „ätherischen Öle“ sind ihre Seele. Hier möchte ich einen kurzen Überblick über Qualität, Pressung und Eigenschaften der sogenannten „fetten Öle“ geben.

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Viele Faktoren bestimmen am Ende die Qualität des Öls. Worauf muss ich also achten?

Es beginnt natürlich schon beim Anbau.

Wo werden die Pflanzen kultiviert? Ist es konventioneller oder biologischer Anbau? Wenn mir die soziale Verträglichkeit wichtig ist: wie sieht es mit den Produktions- und Arbeitsbedingungen aus?

Für den Endverbraucher ist es natürlich nicht einfach, da den Überblick zu behalten, bzw überhaupt Zugang zu diesen Informationen zu bekommen. Ich persönlich würde empfehlen, den Händler bzw Hersteller seines Vertrauens für Informationen zu kontaktieren. Kleine, spezialisierte Händler haben oft einen besseren Überblick über die Ware und deren Herkunft, da sie ihre Lieferanten persönlich auswählen. Vielleicht gibt es ja einen kleinen Spezialitätenladen ums Eck?
Leider muss man sehr vorsichtig sein was Qualitätsversprechen betrifft.  „Extra vergine“ hält nicht immer was es verspricht. Besonders beim Olivenöl wurden haushohe Qualitätsunterschiede festgestellt. Das gute kaltgepresste Öl wird mit minderer Qualität verschnitten um einen höheren Gewinn erzielen zu können-und es trotzdem mit dem Begriff „extra vergine“ auszeichen zu können.
Eines sollte einem bein Einkauf klar sein: Gutes Öl hat seinen Preis. Man kann nicht erwarten, dass das Olivenöl vom Diskonter um 4,90 dieselbe Qualität hat wie das Olivenöl vom Biohändler um 18,90 -der vielleicht sogar den italienischen Ölbauern persönlich kennt und direkt importiert. Dafür bekommt man dann aber beste Ware und kann sie vielleicht sogar vor dem Kauf verkosten.

Legt man Wert auf höchste Qualität, dann tut man seinem Körper etwas Gutes. Von Innen und auch von Außen. Gutes Öl hat gute Eigenschaften – ich darf (und soll) deshalb getrost sparsam mit dem wertvollen Gut umgehen. Wenn man zu kleinen Ölmühlen geht, kann man sich der Qualität sicherer sein und es wird einem oft sogar Einblick in den Arbeitsprozess gewährt. Und ich bin sicher, man kann im Ab-Werk-Laden sehr gute Öle sogar zu einem günstigeren Preis erstehen. Einfach mal umsehen, ob es vielleicht eine kleine Ölmühle ganz in der Nähe gibt.

Der Pressvorgang ist besonders wichtig.

Hier entscheidet sich letztendlich die Qualität des Öls. Wird nämlich beim Pressen Hitze zugefügt, dann erhöht sich die Ausbeute. Es ist also grundsätzlich rentabler, das Öl mit Hitze zu pressen, da es die Quantität erhöht. Leider leidet die Qualität des Öls unter der großen Hitzezufuhr. Zu starkes Erhitzen zerstört die guten Inhaltsstoffe. (Wir kennen das aus der Küche).
Bei jedem Pressen entsteht Temperatur. Das lässt sich nicht gänzlich vermeiden. Aber man kann den Vorgang so steuern, dass er sich in Grenzen hält, bei etwa 70-80 Grad.

Bei meinem Besuch in der Allgäuer Ölmühle durfte ich diesen Kalt-Pressvorgang beobachten. Er geht unglaublich langsam vor sich, damit sich das Pressgut immer wieder abkühlen kann. Da bleibt die Öl-Ausbeute bei der Pressung eher niedrig. Dafür wird der wertvolle „Presskuchen“ nicht gleich den Tieren verfüttert. Man verarbeitet ihn als Lebensmittel (die Nachfrage nach glutenfreiem Pflanzenmehl steigt) oder sucht andere Möglichkeiten der Weiterverarbeitung. Ich durfte vom Kokos- und Hanfpresskuchen kosten.

 

Im Gegensatz zur Kaltpressung kann sich Öl bei einer Raffinierung oder Heißpressung schon bis zu 150 – 200 Grad erhitzen. Dass da nicht mehr viel an Qualität übrig bleibt, ist leicht vorstellbar.

Grundsätzlich kann eigentlich jedes Öl auch für die Hautpflege verwendet werden.

Sie unterscheiden sich aber selbstverständlich in ihren Eigenschaften. Die Ölsäurestruktur ist unterschiedlich, auch die Spreiteigenschaften (=Verteilung des Öls auf der Haut). Wie verhält sich das Öl? Zieht es schnell ein oder bleibt es länger auf der Haut? Wie leicht lässt es sich verteilen? Das ist wohl auch der Grund, warum sich einige Öle als Pflegeprodukt durchgesetzt haben, und manche weniger.

Das Geheimnis einer guten Ölkomposition in Cremes oder Ölpflegeprodukten ist immer die perfekte Zusammenstellung von Ölen mit verschiedenen Eigenschaften. In den letzten Jahren wurden Körper- und Gesichtsöle wiederentdeckt, denn sie geben der Haut auf natürliche Weise das was sie braucht.

Und keine Sorge….ein gutes Produkt (zB. Gesichtsöl) wirkt bei richtiger Anwendung auch nicht „ölig“ auf der Haut und ist sogar für fettige Haut geeignet. Ein kleiner Tipp: Auf die feuchte Haut aufgetragen zieht ein Ölprodukt immer schneller ein, als wenn man es auf trockener Haut anwendet! Wichtig ist nur, dass man (wie immer) auf die Inhaltsstoffe achtet und ein rein pflanzliches Produkt nimmt.

Hier noch eine kurze Übersicht einiger meiner liebsten Goldtropfen:

  • Mandelöl: Ein wunderbares Basisöl für alle Hauttypen (auch bei sensibler Haut), für Massagen und für die Babypflege. Es lässt sich gut für kosmetische Produkte verwenden, da es einen milden Eigengeruch hat. Auch hier ist natürlich die Qualität sehr wichtig. In jedem Fall sollte man auf Lebensmittelqualität achten und gerne zu Bioqualität greifen.
  • Jojobaöl: Ist eigentlich in seiner Zusammensetzung kein Öl sondern ein Wachs, was es überaus haltbar macht. Deshalb verwende ich es gerne in Ölmischungen, weil es die gesamte Rezeptur oxidationsstabiler macht. (=ranzt nicht so schnell). Außerdem legt es sich wie ein zarter Film über die Haut und hilft ihr dabei, ihre Feuchtigkeit zu binden. Das tut es dabei aber sanft und luftdurchlässig – nicht so wie es Mineralöle tun, die die Haut vollkommen abdichten.
  • Borretschsamenöl: hat einen sehr hohen Gehalt an gesättigten Fettsäuren und γLinolensäure. Kann gut bei entzündlicher und barrieregestörter Haut helfen (=barrieregestörte Haut ist nicht in der Lage, Feuchtigkeit zu behalten und deshalb sehr trocken). Außerdem reguliert es auch die Talgproduktion, was es zu einem guten Öl bei Akne macht.
  • Traubenkernöl: Ist ein heimisches Öl das aus den Kernen der Weintrauben gewonnen wird. Die Ausbeute ist relativ gering. Die Farbe ist goldgelb bis ins grün gehend und der Duft ist markant nussig-fruchtig. Es wirkt antioxidativ (=gegen Hautalterung) und zieht schön ein. Man kann es für Normal- und Mischhaut sowie reife Haut verwenden.

Bei den o.a. Eigenschaften der Öle gehe ich selbstverständlich von höchster Qualität aus. Raffinierte Öle haben diese wertvollen Eigenschaften zum Großteil auf ihrem Weg durch die Industrie verloren.

Aller Anfang? Warum Naturkosmetik seit Jahrtausenden der beste Tipp ist.

Wie aufregend! Es geht endlich los mit meinem Seifenkontor – Blog.

Hier möchte ich regelmäßig (aber keine Sorge – nicht zu oft 😉 ) über meine Produkte berichten, Beiträge über Rohstoffe und deren Wirkung schreiben und spannende aber auch brisante Kosmetik-Themen ansprechen.

Und ich beginne…. natürlich am Anfang!

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Die Haut – unser größtes Organ

Die Haut- unser größtes Organ.

Mindestens 10 Kilo schwer ist unsere Haut! Je nach Größe der Person kann sie auch schon mal 15 Kilo wiegen. Sie ist Schutz, sie ist Wärmeregulator, sie hilft beim Ausgleich des Wasserhaushaltes, lässt uns wohlig erschauern oder Schmerzen spüren, zeigt sogar ob es uns gut oder schlecht geht. Sie ist der Spiegel unserer Seele. Wieso fällt es uns manchmal trotzdem so schwer zu begreifen wie wichtig eine gute Hautpflege für unseren Körper ist?

Der Ursprung

Dabei hat alles doch so schön begonnen!

Wenn man an die Ursprünge der Körperpflege zurückgeht, dann landet man bei Pflanzenbuttern, Fetten und Ölen, Milchprodukten und Tonerden. Die Menschen haben das verwendet, das in ihrem Alltag greifbar war. Ganz simple Dinge. Aber diese einfachen Rohstoffe sind nicht so schlicht wie sie erscheinen!

Native, kaltgepresste PFLANZENBUTTERN UND -ÖLE sind komplexe Gebilde aus verschiedenen Fettsäuren und Vitaminen. Sie dringen unterschiedlich schnell in die Haut ein – oder legen sich schützend über sie. Sie pflegen die Haut und geben ihr die Möglichkeit, sich selbst zu helfen. Ihren eigenen Feuchtigkeitshaushalt wieder herzustellen. Diese Fette wirken deshalb so gut, weil sie unserem eigenen Körperfett ähnlich sind.
TONERDEN sind vollgepackt mit Mineralstoffen und Spurenelementen, wirken absorbierend und sind außerdem ganz sanfte Peelings.
MILCHPRODUKTE spenden unserer Haut Feuchtigkeit und können leicht kühlend wirken. Sie beruhigen die Haut, die Milchsäure wirkt hautglättend und stabilisiert den PH-Wert.

Kurz gesagt: Natürliche Stoffe kommen genau so wie wir aus der Natur und sind deshalb im Einklang mit unserem Körper – und gut für uns!

Das Gute liegt also (natur-)nah. Warum bleiben wir nicht einfach dabei!

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Nichts macht die Haut so weich wie Sheabutter

Warum konzentriert sich die Kosmetikindustrie immer noch auf industriell hergestellte Inhaltsstoffe? Und lässt sich der Wert eines Produktes am Preis ablesen?

In der Kosmetik wurden im Laufe der Zeit hochwertige natürliche Rohstoffe durch Industrielle ersetzt. Man fand sich mit der Industrialisierung ungeahnten neuen Möglichkeiten gegenüber – und schöpfte diese auch aus. Welche Beweggründe letzten Endes wirklich dahinter stehen, darüber nachzudenken, möchte ich jedem selbst überlassen.
Es liegt eine Antwort nahe, wenn man bedenkt, dass Mineralöl günstiger in der Anschaffung ist als Pflanzenöl, außerdem ist es von Saisonen und Ernten unabhängig, unendlich haltbar, Geruchs-und geschmackslos, temperaturstabil, etc. Auch wird es ja von der Industrie selbst raffiniert und gefiltert. Niemand entzieht sich selbst freiwillig seine Lebensgrundlage.

Außerdem gaukelt es dem Anwender vor, seine Haut wäre glatt und genährt und macht dabei sozusagen „süchtig“, da man umso öfter nachcremen muss um diesen Status aufrecht zu erhalten. Dem Konsumenten wird Hochwertigkeit vorgegaukelt, den Herstellern bietet sich ein Rohstoff der leicht zu handhaben ist.

Natürlich ist die Preisgestaltung immer noch ein großes Thema für den Konsumenten. Das ist verständlich. Aber das Argument der Leistbarkeit ist nicht immer das schlagende. Denn manche Dinge sind nur auf den ersten Blick günstig.

Wenn eine Flasche Lotion 1,99 kostet, dann ist das wenig. Aber wenn ich aufgrund der Inhaltsstoffe 2 oder 3mal täglich schmieren muss stellt sich die Frage wie lange ich letztendlich damit auskomme. Immer wieder erlebe ich wie Kunden mir überrascht und begeistert erzählen, wie lange sie mit meiner Körperbutter auskommen – und wie wenig sie davon benötigen, weil die Haut so lange genährt ist. Wenn man also nachrechnet bekommt der Preis plötzlich eine ganz andere Wertigkeit.

Doch auch teuer ist auch nicht gleich automatisch besser! Oft noch schwieriger einzuschätzen ist ein hochpreisiges Produkt  – denn der Preis bedeutet nicht automatisch, dass die Inhaltsstoffe wertvoller für die Haut sind als bei einem günstigeren Produkt. Oft genug macht da der Name den Wert. Auch intensives Marketing fließt in den Produktpreis mit ein.

Es ist also nachvollziehbar, dass der Konsument verunsichert ist. Was macht den Wert eines Produktes aus? Woran erkenne ich, ob es wirklich gut für mich ist? Ich empfehle: Nicht auf den Namen schauen, sondern auf die Inhaltsstoffe. Der Blick aufs Rücken-Etikett ist wichtig! Außerdem bin ich der Meinung dass man sich auch zumindest kurz mit der Philosophie eines Unternehmens auseinandersetzen sollte. Warum z.B. produziert die Firma XY jetzt plötzlich doch Naturkosmetik, obwohl es zuvor eigentlich gar nicht interessant für sie war?

Hautgesundheit

Industriell hergestellte Inhaltsstoffe sind natürlich nicht automatisch schlecht. Aber oft haben sie einfach nicht die beste Wirkung auf unsere Haut – und sind sie auch gar nicht immer notwendig. Auch sind ihre Langzeitwirkungen einfach nicht einschätzbar! Das sehen wir immer wieder wenn wir die Medien verfolgen.

Und dabei ist dem Konsumenten zum Zeitpunkt des Einkaufs noch gar nicht bewusst, wie wichtig die Entscheidung für Naturprodukte sich auf die Hautgesundheit für sein ganzes Leben auswirkt!

Aus Schaden wird man (hoffentlich) klug!

Wie wichtig die natürliche Pflege der Haut ist, hab ich leider selbst erst begriffen, als mein größtes Organ nicht mehr ganz so wollte wie ich!

Der Beruf als Flugbegleiter bietet beste Voraussetzungen für Hautkrankheit. Periorale Dermatitis wird nicht ohne Grund „Stewardessenkrankheit“ genannt, jahrelange falsche Pflege und Kosmetik (Make up gehört zur Uniform und ist verpflichtend) haben ihre Auswirkungen. Auch die trockene Luft (dadurch meist Überpflege), aber auch Schlafmangel, schlechte Ernährung und Stress tragen natürlich dazu bei.

Als junge Frau, in einer Zeit als Naturkosmetik noch einen „alternativen“ Ruf hatte, machte ich mir noch nicht allzu viele Gedanken darüber. Doch irgendwann wurde ich von meinem Körper gezwungen, mich näher mit dem Thema Kosmetik und ihren Inhaltsstoffen auseinanderzusetzen.

Und somit sind wir wieder….beim Anfang. Es war der Anfang von einem Prozess, der mich bis hierher gebracht hat! In eine Leidenschaft, die mich immer wieder dazulernen lässt. Sie hat mir Selbständigkeit gebracht in einer Branche, die hart ist – aber sehr glücklich machen kann.

Ich möchte mich noch ganz kurz bedanken. Bei meinen Freunden, die mir unermüdlich Tipps und Unterstützung geben (und auch unermüdlich neue Rezepturen testen müssen) 😉 .
Bei den Kunden, die mir Vertrauen entgegen bringen und meine Produkte kaufen – und bei den Lesern dieses Blogs fürs lesen und kommentieren. Hoffentlich bleiben wir uns noch lange erhalten. 🙂

Bis demnächst, Eure Sandra